Ein gutes Morgen für Mittweida gestalten


Das 2. Zukunftsforum
Datum: 25. Januar 2016 ab 16:45 Uhr
Workshops zu Gründerklima, Stadt für alle Altersgruppen, neue Infrastrukturen

Das 2. Zukunftsforum Mittweida am 25. Januar 2016 ging ins Herz der Stadt – mit verschiedenen Veranstaltungsorten entlang der Rochlitzer Straße verfolgte es das Ziel, selbst etwas zur Belebung der Innenstadt beizutragen. Die rund 100 Besucher erlebten dabei einen Abend mit interessanten Impulsen aus anderen Städten, konstruktive Diskussionen in den Workshops und mit einem gemütlichen Beisammensein beim Wintergrillen und dem Auftritt der Coverband „Brothers of Feinripp“.

Der erste Teil des 2. Zukunftsforums in der Filmbühne Mittweida stand unter dem Motto „Von guten Beispielen lernen“. Nach der offiziellen Begrüßung durch Oberbürgermeister Ralph Schreiber erläuterten zwei Input-Vorträge erfolgreiche Ideen aus anderen kleinen und mittelgroßen Städten. Zunächst erläuterte Pierre Menestriére von der IHK Gera den Wettbewerb „IHK Gründungsinitiative für Innenstädte“. Ziel des Wettbewerbs ist es, Innenstädte wirtschaftlich zu beleben und attraktiver zu gestalten. Dazu werden Gründer aufgerufen, ihre Geschäftsideen einzureichen, die dann von einer Jury bewertet werden. Der Gewinner erhält ein „Komplett-Unterstützungspaket“, das neben einem Preisgeld auch eine Ladengestaltung und Werbung bei Projektpartnern enthält.

Von der Existenzgründung ging es anschließend zur Rolle der Kultur für die Stadtentwicklung. Mit dem Projekt „Guten Morgen, Eberswalde“ erklärte Dr. Stefan Neubacher, Leiter des Kulturamtes der Stadt Eberswalde, wie man mit einem vielfältigen und regelmäßigen Kulturangebot den Blick der Bürger auf ihre eigene Stadt verbessern kann. Neben dem Angebot durch die Behörden, unkompliziert Unterstützung für Kulturschaffende anzubieten, findet in Eberswalde seit der Neugestaltung des Marktplatzes im Jahre 2007 jeden Samstag „Guten Morgen, Eberswalde“ statt. Ein abwechslungsreiches Programm von lokalen Akteuren und professionellen Künstlern lockt so jedes Wochenende Menschen auf den renovierten Marktbereich von Eberswalde, wovon auch die Läden, Händler und Restaurants profitieren. Anschließend zogen die Gäste entlang der Rochlitzer Straße in die jeweiligen Workshopräume: Das Informationszentrum T9, die Begegnungsstätte 1865 sowie den ehemaligen „Sonderbuch-Verkauf“.

Konkrete Vorschläge für eine bessere Zukunft

Beim Workshop „Gründerklima & Co. – Mittweidas neue Wirtschaft“ im ehemaligen Sonderbuch-Verkauf unter Leitung von Oberbürgermeister Ralf Schreiber und Herrn Prof. Dr.-Ing. Jan Schaaf ging es vor allem um die Unterstützung für Gründerinnen und Gründer in der Stadt. Ein Wunsch war unter anderem, dass Ansprechpartner deutlicher erkennbar sein sollten. Dabei wurde das „Mittweidaer Gründer-Checkheft“ angesprochen, dass vor einigen Jahren bereits Gewerbe-Neuanmeldern eine Orientierung bot. So könnten die Informationen bei der Anmeldung direkt an die Gründer geschickt werden. Auf gute Resonanz stieß auch der Vorschlag, angelehnt an die „IHK Gründungsinitiative“, einen Wettbewerb für Gründungsideen auszuschreiben. Dabei könnten Teilnehmer an die Hand genommen werden, erste Partner haben bereits während des Workshops Interesse bekundet. Aus Sicht des Gründernetzwerkes „Saxeed“ bedarf es zudem eines besseren Gründerklimas in Mittweida – mehr Artikel in den Medien, mehr Veranstaltungen sowie die Vorstellung von Gründern und Geschäftsideen könnten dabei etwas bewegen. Basierend auf dem Gewerbering e.V. wurde zudem die Schaffung eines Stammtischs mit Industrie und großen Gewerbetreibenden angestoßen, bei dem sich regelmäßig über Themen und Initiativen zur Wirtschaftsbelebung ausgetauscht werden soll. Nicht zuletzt wurden auch die Vorteile von Mittweida als Wirtschaftsstandort hervorgehoben: günstige Mieten und ein hohes Potential an qualifizierten Mitarbeitern.

Der Workshop „Nachhaltige Infrastruktur in Mittweida“ fand unter Leitung von Herrn Sebastian Killisch, Fachbereichsleiter Bau und Ordnung, sowie Herrn Michael Tanne, Geschäftsführer der REGIOBUS Mittelsachsen GmbH, in der Begegnungsstätte 1865 statt. Dabei ging es nicht nur um Straßen- bzw. Nahverkehrsinfrastrukturen, sondern auch Strukturen im sozialen und kulturellen Bereich, die sich beispielsweise der demographischen Entwicklung anpassen müssten. So sollte das Ziel sein, auf allen Ebenen kundengerechte Angebote zu schaffen, also sowohl für Kinder als auch für Senioren. Wichtig war den Teilnehmern auch, dass die Talsperre und die Burg Kriebstein perspektivisch besser vermarktet werden. Ebenso vorgeschlagen wurde eine Kulturstätte in Mittweida, die tagsüber durch die Hochschule und abends mit einem kulturellen Programm multifunktional genutzt werden könnte. Insgesamt wurde hervorgehoben, dass Investitionen in soziale Infrastrukturen wichtig seien, um neue Einwohner zu gewinnen und bestehende zu behalten. Bei der Debatte um die Parkplatzsituation in Mittweida sprach sich die Mehrheit der Teilnehmer für weniger Parkplätze aus; wichtiger seien der intelligente Ausbau der Anbindung beispielsweise an das Zentrum Chemnitz und innovative Wege wie selbstfahrende, bestellbare Automobile insbesondere für Schüler, Senioren und Menschen mit Behinderung. Insgesamt stand das Ziel „Verkehrsberuhigung“ über vielen Debatten, sodass sich für mehr Spielstraßen und 30er-Zonen ausgesprochen wurde. Auch die digitale Infrastruktur mit freiem Internet im Innenstadtgebiet wurde thematisiert sowie das Schaffen attraktiver Freiflächen im Stadtgebiet. Um den Dialog mit den Bürgern dauerhaft zu gestalten, sollten in Zukunft zudem vermehrt Einwohnerversammlungen stattfinden.

Eine Stadt für alle – ein Zukunftsforum für viele

Im dritten Workshop „Bürger ins Zentrum – Eine attraktive Stadt für alle Altersgruppen“ sollte Mittweida im Hinblick auf die Ansprüche verschiedener sozialer Gruppen wie Kinder, Studenten, Flüchtlinge oder auch Senioren betrachtet werden. Unter Leitung von Dr. Tanja Korzer vom Institut für Stadtentwicklung und Bauwirtschaft Leipzig und Herrn Marco Ulbricht, freiberuflicher Stadtplaner aus Mittweida, ging es im Informationszentrum T9 unter anderem um Mehrgenerationshäuser, mehr gemeinsame Veranstaltungen von Stadt und Hochschule und das Schaffen von neuen Konzepten im Bereich der Gastronomie oder des Einkaufens, beispielsweise ein Kultur- und Lesecafé. Wichtig sei es auch, den Wohnraum neu zu denken und so attraktive Möglichkeiten für verschiedene Ansprüche zu schaffen. Öffentlicher Raum solle zudem verstärkt als Integrationsraum verstanden werden, wo sich Menschen mit unterschiedlichen Herkünften und Ideen begegnen. Eine Börse für junge Familien, die Unterstützer vermittelt, wurde ebenso vorgeschlagen wie ein vielfältigeres Nachtleben insbesondere für junge Menschen. Das Konzept aus Eberswalde wurde lobend erwähnt und als Möglichkeit auch für Mittweida ins Gespräch gebracht, dazu sollten auch noch mehr Straßencafés entstehen und Gründungsanreize geschaffen werden. In Zukunft sollen auch verstärkt Möglichkeiten gefunden werden, um Wachstumsimpulse sächsischer Großstädte wie Dresden, Leipzig oder Chemnitz auch für Mittweida zu nutzen.

Nach den Workshops versammelten sich die Forumsteilnehmer vor dem 1865 zum Wintergrillen. Bei Glühwein und Kinderpunsch, Roster und Grillkäse wurde die Kreuzung Rochlitzer Straße/Poststraße kurzerhand zu einer kleinen Festmeile. Innen spielte anschließend die Band „Brothers of Feinripp“ Coversongs aus den vergangen 40 Jahren Musikgeschichte. Nach rund 5 Stunden endete das 2. Zukunftsforum und entließ seine Gäste mit vielen guten Ideen, mit Impulsen und hoffentlich der Motivation, auch in Zukunft für Mittweida etwas bewegen zu wollen. Die Zukunftsstadt Mittweida hat nun die Aufgabe, die zahlreichen Themen und Ideen zu einem Leitbild zusammenzufügen, das durch die Bürger der Stadt in den Veranstaltungen und auf Facebook mitentwickelt wurde. Im März findet dazu eine offene Werkstatt statt, bei der man den Entstehungsprozess des Leitbilds mitverfolgen kann.

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