„Es gibt keinen Müll.“


Ich bin Jens Ossada
Alter: 37 Jahre
Beruf: freischaffender Künstler
Hobbys: Bujinkan Kampfkunst

 

„Es gibt keinen Müll.“
„Es gibt keinen Müll.“
„Es gibt keinen Müll.“
„Es gibt keinen Müll.“
„Es gibt keinen Müll.“

Wie ein Künstler Mittweida und die Welt verbessern möchte

Jens Ossada begrüßt uns herzlich und bittet uns gleich in sein warmes Haus. Es duftet nach Holz. Während wir die Treppe hinaufgehen, erklärt er, dass er das alte Fachwerkhaus selbst restauriert hat und viel Wert darauf legte, es in seinen ursprünglichen Zustand zu versetzen. Es gibt keine sterilen Wände – durch Lehmputz und Kalkfarbe entstehen lebendige Ungleichmäßigkeiten. Alles wirkt trotz moderner Akzente organisch und die Dielen knarren, als er uns in seine gemütliche kleine Bibliothek mit Blick auf seinen Garten führt. „Wir haben alle alten Baumaterialen für andere Zwecke wiederverwendet“, betont der Freigeist.

Jens Ossada hat in seinem Leben vieles erreicht. Er studierte Medizin, bevor er sich Design und Kunst widmete. Inzwischen lebt er mit seiner Familie als freischaffender Künstler, Autor und Lehrer für Kampfkunst in seinem Refugium, wie er selbst nennt. Seine Skulpturen und Objekte sind international bekannt. Gerade werden einige seiner Werke in der Galerie „Land en Beeld“ in den Niederlanden ausgestellt.

Kindern Werte vermitteln
Neben seiner Arbeit als Konzeptkünstler und Grafiker engagiert sich der junge Familienvater aktiv für Kinder. Als Vorstandsvorsitzender des Erucula e.V. in Mittweida bietet er dort Schulkindern verschiedene Freizeitmöglichkeiten und Ferienkurse an. „Es ist schade, dass viele Erwachsene Zukunftsprojekte als Utopie abstempeln. Umso wichtiger ist es, sich besonders mit Kindern zu beschäftigen“, appelliert Jens Ossada.

Vor kurzem erst hat er einen Recyclingkurs in seinem Atelier veranstaltet. Die Kinder schufen dort ihre eigenen kleinen Kunstwerke aus Materialen, die normalerweise auf dem Müll landen würden. „Es gibt keinen Müll, denn wir leben auf einer Kugel. Höchstens Abfall und es ist unsere Aufgabe Lösungen für seine Verwertung zu finden“, sagt der Künstler bestimmt. Er möchte den Kindern Werte vermitteln, „sie sollen Bindung zu den Materialien herstellen“, der Natur näher kommen. „Wir genießen es durch den Garten zu laufen und zu naschen.“

Visionen vorleben
Was er den Kindern vermittelt, lebt er selbst vor. Mit seiner bewussten Lebensweise möchte er seine Mitmenschen inspirieren. Seine Familie lebt ein autarkes Leben mit eigener Stromversorgung, Wasser, Brennmaterial und Lebensmittelanbau. Ganz nach seinem Motto „Reuse, Reduce, Recycle“ (engl.: Wiederverwenden, Reduzieren, Wiederverwerten) hat er aus alten Dachziegeln und Baumaterialen eine Grundstücksmauer gebaut, einige seiner Hecken bestehen aus Baumverschnitt und bieten so Vögeln und Igeln Lebensraum.

Er ist überzeugt, dass ein bewussterer Umgang mit unseren Ressourcen Mittweida 2030 zu einem lebenswerten Ort machen wird. „Wir dürfen Mittweida nicht allein betrachten, sondern im großen Kontext“, erklärt der Visionär. Probleme, die die Welt, Europa und Deutschland beschäftigen sind ebenso relevant für Mittweida. Er denkt dabei nicht nur an Lebensmittelversorgung und Energiegewinnung sondern auch an den aktuellen Umgang mit Flüchtlingen.

Flüchtlinge als Chance wahrnehmen
Eine der größten Chancen für Mittweida liegt derzeit im Umgang mit Asylbewerbern- und berechtigten, weiß der Künstler. „Wir haben Probleme mit den Auswirkungen des demographischen Wandels, Fachkräftemangel und leerstehende Wohnhäuser“, fasst er zusammen. Durch die Anerkennung der Flüchtlinge – sowohl formell als auch gesellschaftlich – könnten diese Probleme bekämpft werden. Er stellt die Frage, weshalb die Berufe der mitunter hochgebildeten Asylbewerber nicht anerkannt werden, warum Flüchtlingen als auch potenziellen Arbeitgebern durch befristete Aufenthaltsgenehmigungen jede Chance auf Planung und Integration genommen wird. Der Künstler setzt als Ziel, den Flüchtlingen offen zu begegnen, ihre Stärken wahrzunehmen, um so ein buntes Mittweida mit Raum für Zufälle und Entfaltung zu schaffen.

Was ist Lebensqualität?
Seine Reaktion auf die Frage, wie sich der Familienvater Mittweida 2030 konkret vorstelle und was seine Bewohner dafür tun können, überrascht: „Was ist Lebensqualität?“, kontert er provokativ. Jens Ossada ist sich sicher, dass die Antworten auf diese Frage wegweisend für Mittweidas Zukunft sein werden. „Wenn ich meinen Sohn morgens mit dem Fahrrad zum Kindergarten fahre, auf dem Rückweg beim Bauern frische Milch und Honig hole, im Garten Obst ernte, um daraus eine Mahlzeit zu bereiten und mich schließlich vor der Arbeit noch eine Stunde hinlege – das ist Lebensqualität“, beantwortet er selbst. Grün, Luft zum Atmen, Raum und gesunde Ernährung ist das, was er sich für Mittweidas Bürger wünscht.

Im Gespräch auf dem Zukunftsforum Mittweida
Alle Interessierten, die mehr über Jens Ossadas Visionen erfahren und mit ihm ins Gespräch kommen wollen, sind zur Podiumsdiskussion anlässlich des Zukunftsforums am 5. November 2015 im „Zentrum für Medien und Soziale Arbeit“ eingeladen.

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