Nur eine Türschwelle zwischen 100 Jahren Geschichte


Ich bin Michael Kreskowsky
Beruf: Gästeführer und Vorsitzender Förderverein Museum „Alte Pfarrhäuser“ Mittweida
Hobby: Geschichte und Musik

Nur eine Türschwelle zwischen 100 Jahren Geschichte
Nur eine Türschwelle zwischen 100 Jahren Geschichte
Nur eine Türschwelle zwischen 100 Jahren Geschichte
Nur eine Türschwelle zwischen 100 Jahren Geschichte

Michael Kreskowsky öffnet die schwere Tür des Kleiderschrankes in der Empfangshalle und deutet auf die darin verstaute Kleidung. Nach Größe sortiert ist ordentlich auf Bügeln gehängt historische Kleidung aus der Kaiserzeit zu sehen. „Hier ziehen sich unsere Besucher um. Jeder bekommt ein eigenes Kostüm“, bemerkt Kreskowsky. Der Historiker weiß: „Das ist wichtig. Denn hier erleben unsere Gäste ihre erste Verwandlung.“ Weitere drei Stockwerke – 50 Stufen – höher liegt dann nur noch eine Türschwelle zwischen 100 Jahre Zeitreise. Seit 2011 betreut Kreskowsky das historische Klassenzimmer in der Pestalozzi-Grundschule in Mittweida. Als Oberlehrer unterrichtet er seine Gäste für eine Stunde wie zu Anfang des 20. Jahrhunderts. Das ist Geschichte zum erleben. Von jungen Schülern der 3. und 4. Klasse bis hin zu Firmen-Weihnachtsfeiern – das Interesse an dem Unterricht von Oberlehrer Kreskowsky ist groß.

Der jüngste seines Faches
Bereits 1994, mit 14 Jahren, eröffnete Kreskowsky ein eigenes Museum. „Damals hieß es, ich wäre Deutschlands jüngster Museumsdirektor“, erinnert sich der Geschichtsbegeisterte. Seitdem ist er auch mit dem Mittweidaer Museum verbunden. „Ich war schon immer sehr an Geschichte interessiert und habe viele eigene Ausstellungen in der Region gemacht. Im Museum in Mittweida habe ich zudem eigene Führungen übernommen“, erklärt der Historiker.

Die Idee zum historischen Klassenzimmer kam ihm dann zur 100-Jahrfeier der Schule von Grünlichtenberg. „Zu der Veranstaltung habe ich im Schulgebäude die ersten historischen Schulstunden gehalten. Die Tische und Stühle dafür kamen aus Mittweida,“ erinnert sich Kreskowsky. Schnell wurde das Format zu einem Selbstläufer. „Ich habe immer mehr Anfragen erhalten, ob ich nicht da und dort eine Schulstunde halten könnte. Das wurde zunehmend aufwändig. Deshalb brauchte es einen zentralen Platz für den Unterricht“, erklärt der Vereins-Chef. Die Räume in der Pestalozzi-Grundschule boten eine gute Gelegenheit. „In diesem Zimmer wurden früher bis zu 60 Schüler unterrichtet. Es war also bereits ein Klassenraum. Wir mussten uns gar keine Geschichte ausdenken. Der Raum erzählt sie bereits“, erinnert sich Kreskowsky. So richtete er das Klassenzimmer gemeinsam mit seinen Kollegen ein. In alten Glasschränken sind Tier- und Pflanzenpräparate ausgestellt, in einer Ecke steht ein menschliches Skelett, auf den Plätzen der Schüler liegen die Schiefertafeln bereit.

Fehlendes Interesse der Region
Neben dem historischen Klassenzimmer führt Kreskowsky auch als Nachtwächter durch Mittweida. Für ihn sind diese beiden Veranstaltungen die erfolgreichsten. „Bei der ersten Nachtwanderung waren 70 bis 80 Leute. Mit so vielen Gästen hatten wir gar nicht gerechnet“, erzählt Kreskowsky erstaunt und ergänzt stolz: „im historischen Klassenzimmer habe ich im Jahr etwa 60 bis 70 Veranstaltungen. Dafür kommen die Leute aus ganz Deutschland extra nach Mittweida.“

Dieser Erfolg hat für Kreskowsky allerdings auch eine negative Seite. „Es scheint so, dass der Prophet im eigenen Land nicht viel gilt. Schulklassen aus Mittweida melden sich nur selten“, bedauert der Historiker. Für die Zukunft wünscht sich Kreskowsky daher noch mehr Geschichtsbegeisterung von den Bürgern Mittweidas. „Ich habe bereits Lehrer getroffen, die ganz erstaunt waren, was für ein Angebot wir hier praktisch nur eine Tür weiter haben. Auch viele Eltern gehen mit ihren Kindern nicht ins Museum. Dabei kann man hier viel lernen und die eigene Stadt besser kennenlernen. Der Besuch im Museum „Alte Pfarrhäuser“ ist für Mittweidaer Schulklassen zudem kostenfrei“, ergänzt der Vorsitzende des Museumsvereins.

Vielleicht kann das Interesse der Region an dem Museum in diesem Jahr gestärkt werden. Denn zum 800. Jubiläum Ringethals plant Kreskowsky, extra für das Fest, einen Umzug des Klassenraums. „Ende des 2. Weltkrieges war die Schule im Schloss Ringethal untergebracht. Hier wollen wir es für das Jubiläum hin verlegen. Das könnte gerade bei den Älteren viele Erinnerungen hervorrufen“, hofft der Vorsitzende des Museumsvereins und offenbart seinen heimlichen Wunsch: „Wenn jeder Bürger von Mittweida einmal im Jahr ins Museum kommen würde, dass wäre cool.“

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