„Erfolg made in Mittweida“


Ich bin Prof. Dr. rer. pol. Ulla Meister
Alter: 61 Jahre
Beruf: Professorin für Unternehmens- und Personalführung
Hobbys: Gartenarbeit, Engagement für leidende Tiere, Biografien lesen und Bücher schreiben

„Erfolg made in Mittweida“
„Erfolg made in Mittweida“
„Erfolg made in Mittweida“
„Erfolg made in Mittweida“
„Erfolg made in Mittweida“

Es ist 8 Uhr am Freitagmorgen und das Wochenende eigentlich in Griffweite. Als wir Ulla Meisters Büro betreten, spürt man aber nichts mehr von einer vielleicht anstrengenden Woche. Energie und Freude strahlt Ulla aus, auch um diese Uhrzeit. Sie begrüßt uns herzlich und wir vergessen kurz, dass wir eigentlich für ein Interview hier sind. Es ist angenehm, mit ihr zu sprechen. Über Wirtschaft, über Gründung, über das Professorendasein. Die Themen sind vielfältig und man wird bei jedem Thema von ihrer Begeisterung angesteckt.

Die leidenschaftliche Professorin, die Studenten gerne berät und ermuntert, arbeitete davor bei der Unternehmensgruppe Schöller als Direktorin. Ulla erzählt: „Bevor ich Professorin wurde, ging es bei Schöller um die Markteinführung von Eis mit stückigen Zutaten. Heute empfinden wir das als normal, aber damals war das ein sehr mutiger Schritt und wurde auch am Anfang zögerlich von den Kunden angenommen.“ Privat hat sie damals schon Freunden und Bekannten Rat gegeben, die ein eigenes Unternehmen gründen wollen. Als sie dann nach Mittweida kam, war das aber nicht die Hauptaufgabe eines Professors. Das Thema Gründung war auch im Wirtschaftsstudium nicht vorgesehen. Also bot sie kleinere Vorträge dazu an, veranstaltete „Tage der Existenzgründer“ und sagt heute: „Steter Tropfen höhlt den Stein.“

Als sie 1999 den Chemnitzer Professor für Unternehmensgründung Olaf Gierhake kennenlernt, stand die Frage im Raum, was man zusammentun könnte. Dass Universitäten mit Hochschulen zusammenarbeiten könnten, war damals noch ein ähnlich unerhörter Gedanke wie wenige Jahre zuvor das Thema Existenzgründung als akademisches Fach (oder Eis mit Stücken). Aber nach nur einem Jahr war die Idee geboren, aus der 2002 dann die Förderung für „SAXEED“ entstand. Das Ziel: kontinuierliche Angebote für Akademiker zu schaffen, die über eine Existenzgründung nachdenken.

Heute ist „SAXEED“ gewachsen und aus zwei Einrichtungen sind vier geworden: Nach Chemnitz und Mittweida kamen noch Zwickau und Freiberg dazu. Nun gibt es in Mittel- und Ostsachsen ein einmaliges Gründernetzwerk. An jedem Standort gibt es Ansprechpartner, die Workshops organisieren, Beratung anbieten, bei Behördengängen und Förderprogrammen helfen. Im gesamten Einzugsgebiet wurden so in den letzten 14 Jahren 926 Projekte betreut, aus denen 246 reale Gründungen hervorgegangen sind. Seit einigen Jahren gehört auch der „Schicke Ideen“-Wettbewerb dazu, bei dem Mittweidaer Studierende regelmäßig Preise abräumen, 2016 zum Beispiel den 2. Platz. Überhaupt kommen viele Ideen aus der Hochschule: Knapp die Hälfte der eingereichten Konzepte bei „Schicke Ideen“ in diesem Jahr sind in der Kategorie „Studierende“ aus Mittweida eingeschickt wurden. „Ich bin stolz auf meine Studierende und meinen Mitarbeiter“, erklärt Ulla.

Nach der Gründung von „SAXEED“ wurde Existenzgründung ab 2002 auch Teil der Studiengänge in Mittweida. 2012wurde Mittweida auch deshalb als „Hochschule mit Vorbildcharakter“ geehrt. Seitdem werden in Seminaren Gründungsideen entwickelt, auf ihre Umsetzbarkeit überprüft, Pläne gemacht und das „darüber Reden“ geübt. „Mittlerweile sind wir an dem Punkt, dass wir fakultätsübergreifend arbeiten. Wir schicken unsere Wirtschaftsstudierende auf die Biotechnologen los und schauen, woran diese so arbeiten. Dabei entstehen unglaublich spannende Ideen und wichtige Innovationen. In kleinen gemeinsamen Teams sollen die Studierenden dann gemeinsam Modelle entwickeln, wie man die Ideen vermarkten könnte.“ Ähnliches machte sie auch im letzten Jahr gemeinsam mit der Kunstmesse „art.united“, auf der die Studierenden mit Künstlern über ihr potentielles Geschäft ins Gespräch kommen sollten.

Zwischen Kunst und Gründung sieht Ulla dann auch viele Gemeinsamkeiten: „Künstler leben von der Liebe zur Sache und von der Liebe zum Selbermachen. Sie bringen eine Idee zum Ausdruck und wollen sich mitteilen. Da sehe ich durchaus Parallelen“, erklärt die 61-Jährige. Eine Idee als klare Botschaft zu formulieren ist dann auch etwas, was beide trainieren und beherrschen müssen – sowohl Künstler als auch Gründer. Deswegen bietet „SAXEED“ speziell dazu auch Trainings an, denn am Ende kommt es nicht nur auf die Idee, sondern auch auf den Gründer an: „Wir können höchstens zu- oder abraten, Risiken schildern und erklären, wie die Lage bei den Fördermitteln aussieht. Wir reden den Gründern keine Idee aus, hinter der sie stehen. Denn: Tolle Sachen können scheitern und schwierige Ideen Erfolg haben.“ Und auch das ist eine Parallele zum Künstlerdasein, aber auch zum „Eis mit Stücken“: Gründer müssen an sich und ihre Idee glauben und brauchen viel Mut.

Gründen in Mittweida – eine gute Idee?

Ulla wünscht sich nicht nur für Mittweida, sondern für die gesamte Bundesrepublik mehr Anerkennung und Wertschätzung für Unternehmer. „Oft hört man folgende Argumente: Wenn man Erfolg mit seiner Gründung hatte, dann lag es nur am Geld. Und wenn man keinen Erfolg hatte, war man nicht gut genug.“ Das ärgert sie und möchte auch in der Hochschulstadt mehr für das Gründen werben: „Hier erkenne ich noch eine Kommunikationslücke. Wir bieten zwar neben der Beratung auch einen Existenzgründerstammtisch an, aber Gründer müssen noch stärker in den Fokus rücken durch mehr Berichterstattung, durch Veranstaltungen und Wettbewerbe.“ Insbesondere ist Ulla offen für eine Kooperation mit der Stadt, denn „SAXEED“ darf nur Studierende betreuen und auch nur bis zur Gründung – mit einer Zusammenarbeit könnte man das Angebot vielleicht auch auf Mittweidaer erweitern und ein neues Unternehmen länger begleiten.

In Mittweida erkennt sie viele gute Voraussetzungen für eine Gründung: Der Arbeitsmarkt ist gut und „ich kenne viele, die gerne wieder hierherziehen und hier arbeiten würden.“ Auch ist der Immobilienmarkt vergleichsweise preiswert und Orte wie der Technologiepark bieten große Chancen. Wenn Ulla dann auf die Entwicklung ihrer Stadt in den letzten 25 Jahren schaut, sieht sie eine Wellenbewegung: „Nach der Wende musste man ja regelrecht gründen“, erklärt sie. Als dann die Firmen wuchsen und mehr Stellen anboten, wuchs auch die Sicherheit und die Anzahl der Gründungen nahmen wieder ab. Jetzt erkennt Ulla aber den Beginn einer erneuten Welle: „Die Gesellschaft wird insgesamt freier und der Wert der Freiheit immer wichtiger. Das harmoniert natürlich auch in Mittweida mit dem Unternehmergeist.“

Für sie sind dann auch die zu uns Fliehenden eher eine Chance und erkennt sogar Gründungspotential: Beim „Schicke Ideen“-Wettbewerb wurde eine Unternehmensidee für die Zusammenarbeit mit Flüchtlingen mit einem Sonderpreis geehrt – übrigens auch eine Idee aus Mittweida. „Für mich sind Menschen aus anderen Ländern immer ein großes Potential. Ich erinnere mich daran, dass ich als Kind die Gastarbeiterwelle aus Italien miterlebt habe. Damals kannte keiner bei uns Spaghetti. Als mein kleiner Bruder die dann vor die Nase gesetzt bekam, ist er zum Nachbarn essen gegangen“, erwähnt sie lachend. Heute ist italienisches Essen für uns ein ganz natürlicher Teil der Küche geworden und auch die neuen Einflüsse wird man zuerst am Essen erkennen. „Die anderen Lebensweisen werden sich ergänzen und die neuen Nachbarn sich einbringen. Das wird nicht problemlos ablaufen, aber das Potential ist groß und die anderen Betrachtungsweisen können allen helfen“, schätzt Ulla ein. Und sie ergänzt: „Statt im Schneckenhaus zu bleiben, wo es warm und kuschelig ist, sollten wir den Blick nach außen für neue Impulse wagen. Denn auch das macht einen guten Gründer aus.“

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