„Wir sollten von der Großstadt in die Kleinstadt ziehen“


Ich bin Nadja Berthold
Alter: 39 Jahre
Beruf: Fotografin
Hobbys: Inlineskaten, gemeinsam mit Freunden kochen, Musik

„Wir sollten von der Großstadt in die Kleinstadt ziehen“
„Wir sollten von der Großstadt in die Kleinstadt ziehen“
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„Wir sollten von der Großstadt in die Kleinstadt ziehen“
„Wir sollten von der Großstadt in die Kleinstadt ziehen“
„Wir sollten von der Großstadt in die Kleinstadt ziehen“

Fotografin Nadja Berthold gibt Mittweida ein neues Gesicht

Als wir am 15. September letzten Jahres die Bahnhofstraße entlanggehen, staunen wir nicht schlecht: Im so genannten „Alcatraz“ ist nicht der übliche Studentenbetrieb, nein, Menschen stehen vor einem Ladengeschäft, gehen hinein, kommen mit einem Sektglas wieder heraus. Offensichtlich amüsieren sie sich, sie feiern etwas – vielleicht eine Eröffnung? Hier? Auf den Fenstern des Geschäfts steht „Wolkenhell“ und innerlich machen wir eine Notiz: Wir müssen herausfinden, was sich dahinter verbirgt.

Als wir später die Webseite finden, staunen wir nicht schlecht: Wunderschöne Aufnahmen von Hochzeiten, elegante Porträts, charmante Details. „Wolkenhell“ scheint ein Fotostudio zu sein und wir schreiben der Inhaberin Nadja Berthold eine E-Mail: „Hallo. Könnten wir uns einmal treffen? Wir würden Sie gerne kennenlernen und herausfinden, was Sie in Mittweida tun.“ In ihrer Antwort vertröstete uns Nadja, das Weihnachtsgeschäft stehe vor der Tür – aber dann schließlich im Januar treffen wir sie in ihrem neuen beruflichen Zuhause: In der Bahnhofstraße in Mittweida.

Nadja versteht nicht, warum wir uns wundern, dass sie gerade hier angekommen ist. Der Raum wäre perfekt, die Miete okay und von hier aus sei alles per Fuß erreichbar. „Für einen Fotografen ist der Standort nicht ganz so entscheidend; ich habe keine Öffnungszeiten oder Laufkundschaft, sondern arbeite nur mit Terminen“, erklärt die 39-Jährige. Früher lebte sie in Göritzhain, jetzt wohnt sie mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in Kriebstein. „Mittweida ist für mich also eine Vergrößerung. Nach jahrelanger nebenberuflicher Fotografen-Tätigkeit wollte ich nun den Schritt gehen und mein eigenes Studio eröffnen“, berichtet Nadja stolz. Die Unternehmerin hat früher eine kaufmännische Ausbildung gemacht und dann viele Jahre für große Foto-Unternehmen gearbeitet. Nebenher hat sie sich ihr Handwerk selbst angeeignet, Workshops besucht, von erfahrenen Fotografen gelernt. Jetzt hat sie sich einen großen Wunsch erfüllt: „Die Gründung war keine spontane Entscheidung, ich wollte Unterstützung haben. Ich habe mir eine Unternehmensberaterin gesucht und einen Designer“, erklärt Nadja. „Wolkenhell“ steht dabei für wichtige Elemente in ihrer Arbeit: „Wolken“ sind für das Fotografieren im Freien und steht für Freiraum, „hell“ betont ihre Vorliebe für lichtbetonte Bilder. Und der Vogel im Logo? „Das ist mein Geburtsname. Aber klar, es geht auch darum, Dinge aus verschiedenen Perspektiven sehen zu können – und schließlich können Vögel das am besten“, erklärt sie lächelnd.

„Ungezwungen“ – dieses Wort trifft Nadja und ihren Stil am besten. Man sieht ihren Bildern an, dass sie nichts erzwingen will. Alles wirkt natürlich und leicht, insbesondere bei den Hochzeiten. Im Gespräch mit ihr merkt man, dass sie es gewohnt ist, sich selbst zurückzuhalten und genau zu beobachten und nachzufragen. Manchmal vergisst man fast, dass man selbst der Interviewer ist und nicht der Interviewte – man fühlt sich wohl bei Nadja und öffnet sich. Auf ihren Porträts sieht man das auch. Und bei Hochzeiten versteht sie ihre Rolle eindeutig: „Man wird für einen Tag zum Teil einer Familie. Man mischt sich unter die Gäste, hört ihnen zu und bleibt trotzdem die ganze Zeit konzentriert, um den schönsten Moment nicht zu verpassen. Man wird angenommen und ist wie selbstverständlich dabei, sichtbar und unsichtbar zugleich.“

Expandieren mit Augenmaß

„Ich wünsche mir perspektivisch mehr Zeit für meine Kunden“, erklärt Nadja dann. In Mittweida möchte sie expandieren, vorsichtig aber bestimmt. Demnächst ist die Erweiterung des Teams durch einen Mitarbeiter geplant. Sie möchte die Wirtschaft vor Ort unterstützen, lässt ihre geschmackvollen Fotoboxen auch in Mittelsachsen fertigen und sucht den Kontakt zur Hochschule. Beim 2. Zukunftsforum Mittweida war sie als Gast dabei und hat sich über viele neue Bekanntschaften gefreut. Sie könnte sich gut vorstellen, dass man mit Werbung die Gründer in Mittweida noch bekannter machen könnte; auch den Gründerwettbewerb findet sie eine gute Idee. Nadja findet, dass in den letzten 20 Jahren viel in Mittweida passiert ist; der Markt gefällt ihr und lädt zu einem Eis ein. Ein wenig traurig stimmt sie jedoch die Rochlitzer Straße: der Ladenleerstand mache die eigentliche Einkaufsmeile zu einem unattraktiven Ort. Zudem gesteht sie, dass die Straße vermutlich kompliziert zu vermarkten sei: Ihre Länge macht sie zu einer ständigen Herausforderung. „Man sollte den interessierten Mietern hier vielleicht entgegenkommen. Mir gefällt zum Beispiel die Idee, die ersten sechs Monate für Gründer mietfrei zu machen“, gibt die Geschäftsfrau zu bedenken.

Nadja möchte sich in ihrer neuen Wahlheimat engagieren. „Ich möchte versuchen, so viele Geschäfte wie möglich innerhalb der Stadt zu machen, das Geld hier zu behalten“, verrät sie. Wenn es nach ihr ginge, müssten sich noch viel mehr Menschen für Mittweida engagieren. „Auch für Fotografen ist es hier viel interessanter. In großen Städten ist die Konkurrenz groß, man hat viel mehr Druck. Auf den Dörfern und Kleinstädten leben auch Menschen, die Freude an schönen Bildern haben – hier gibt es noch mehr Raum für uns. Mehr Fotografen sollten von der Stadt ins Land ziehen“, da ist sich Nadja sicher. Denn es lohnt sich: Mit ihrem Umzug in die Kreisstadt kamen gleich neue Kunden.

Als wir ihr Studio verlassen, schauen wir uns noch einmal auf der Bahnhofstraße um. Menschen gehen zum Bahnhof oder zur Arbeit. Studenten gehen in ihre Wohnungen, ein paar Leute essen etwas im Imbiss. Die Straße ist nicht belebt, aber auch nicht abgeschrieben – ja, wieso also nicht hier gründen? In dem Moment müssen wir erkennen: Manchmal braucht es nur eine Mutige wie Nadja, der die Dinge unverstellt erkennt.

Werde selbst ein „Mittweidamacher“!

Du bist neugierig, hast Deine eigene Meinung zur Zukunft der Stadt und keine Angst davor, Deine Ideen mit anderen zu teilen? Dann schreibe uns eine E-Mail an macher@zukunftsstadt-mittweida.de mit Deinem Namen, Beruf und ein paar aussagekräftigen Worten, wie Du Dir Mittweida 2030 vorstellst. Wir freuen uns darauf, Dich kennenzulernen!

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