„Nur die Pilze sammeln, die man auch erkennt!“


Ich bin Matthias Eberhardt
Alter: 40 Jahre
Beruf: Pilzberater in Mittweida

„Nur die Pilze sammeln, die man auch erkennt!“
„Nur die Pilze sammeln, die man auch erkennt!“
„Nur die Pilze sammeln, die man auch erkennt!“
„Nur die Pilze sammeln, die man auch erkennt!“

Matthias Eberhardt beugt sich nach unten und tastet das Moos an einem Baumstamm ab. „Ganz trocken. Keine guten Bedingungen“, bemerkt er. Es ist noch früh am Tag. Durch die Baumkronen fallen helle Sonnenstrahlen auf den Boden des Waldes. Der Beginn eines schönen Spätsommertages. „Pilze brauchen einen feuchten Boden und schattige Plätze. Deshalb wachsen sie bei langanhaltender Trockenheit oft in der Nähe von Gewässern. Zu viel Wind trocknet die Erde aus und ist für Pilze schädlich“, weiß der Pilz-Experte. Seit 2008 ist Eberhardt Pilzberater in Mittweida. Gemeinsam mit seiner Kollegin Anneli Kaatz berät er alle interessierten Bürger rund um das Thema Pilze. Ob auf Ausstellungen oder im privaten Gespräch – als Pilzberater steht Eberhardt gerne mit Rat und Tat zur Seite.

Der jüngste Pilzberater im Landkreis
Bevor Matthias Eberhardt allerdings selbst Pilzberater wurde, bewahrte ihn eine andere Pilzberaterin vor einem Unglück. „Ich habe 2004 einen Korb voll Pilze gesammelt, den ich zur Pilzberatung gebracht habe. Dort stellte sich heraus, dass ich fast nur Giftchampignons gesammelt hatte“, erinnert sich Eberhardt. In den kommenden Jahren beschäftige er sich viel mit Pilzen und ging oft zur Pilzberatung. „Mein großes Interesse für das Thema ist aufgefallen und ich wurde gefragt, ob ich mich nicht an Ausstellungen und Pilzwanderungen beteiligen möchte“, erzählt der heutige Pilz-Experte. Im Oktober 2007 schloss Eberhardt schließlich die Prüfung zum Pilzberater ab und berät seit der Pilzsaison 2008 in Mittweida. „Ich bin wohl der jüngste Pilzberater im Landkreis“, scherzt der 40-Jährige. Zu guten Pilzzeiten führt er 3 bis 4 Beratungen pro Tag durch. „Viele Leute kommen mit ihren Körben und wollen wissen, ob ihre gesammelten Pilze essbar sind. Wenn ich einen Giftpilz im Korb finde, dann kommt es darauf an, wie giftig dieser ist. Bei potentiell tödlich giftigen Arten muss der gesamte Korbinhalt entsorgt werden. Bei mindergiftigen Arten entsorge ich nur die einzelnen Pilze“, erklärt Eberhardt einen Teil seiner Arbeit.

Die drei Gruppen der Pilze
Je nach Geologie wachsen unterschiedliche Pilzarten. Es gibt Generalisten, die überall wachsen und Spezialisten, die bestimmte Böden brauchen. „In Mittelsachsen sind die Böden sehr sauer. So wachsen hier zum Beispiel Rotfußröhrling oder Steinpilze häufig“, erklärt Eberhardt. Unter Experten werden Pilze zudem in drei weitere Gruppen eingeteilt. „Es gibt die Mykorrhizapilze, das sind Pilze die mit Bäumen eine Symbiose eingehen, die Saprophyten, das sind Pilze die vor allem auf Laubstreu oder Nadelstreu zu finden sind und die Pilze die als Parasiten beispielsweise an Holz wachsen“, erläutert Eberhardt die Gruppen.

Pilze sammeln braucht Erfahrung
Doch auch wenn Pilze in unterschiedliche Gruppen eingeteilt werden können – einen klaren Hinweis darauf, welcher Pilz essbar und welcher giftig ist, gibt es nicht. „Man sollte immer nur die Pilze sammeln die man kennt beziehungsweise erkennt“, rät Eberhardt und ergänzt: „Giftige Pilze kann man nur mit viel Erfahrung erkennen. Um die zu bekommen, kann man zum Beispiel eine Pilzwanderung mitmachen und dabei „am lebenden Objekt“ die Unterschiede zwischen Speisepilzen und ihre giftigen Doppelgängern kennenlernen. Auch auf Pilzausstellungen wird interessierten Bürgern an Beispielpilzen die Unterschiede erklärt.“

Für alle begeisterten Pilzesammler hat Eberhardt noch ein paar Praxistipps parat. Pilze sollten nur für den Eigenbedarf und zum baldmöglichsten Verzehr gesammelt werden. Bei der Pilzsuche ist zudem darauf zu achtet, dass keine überalterten Pilze gesammelt werden. Dies kann zum Beispiel an einer schwarzen Färbung der Lamellen des Pilzes erkannt werden. „Außerdem sollten zum Sammeln geeignete Behältnisse verwendet werden. Körbe eignen sich sehr gut. Plastiktüten überhaupt nicht“, empfiehlt Eberhardt.

Ohne Smartphone auf Pilzsuche
Von digitalen Pilzlexika auf dem Handy rät Pilzberater Eberhardt ab. „Diese Apps sind stark umstritten. Sie verweisen häufig auf zu wenige Arten. So lassen sich giftige Doppelgänger nicht immer identifizieren bzw. die gefundene Art ist gar nicht in der digitalisierten Artenauswahl vorhanden. Wer sich unsicher ist mit seinen gefundenen Pilzen, sollte immer besser zum Pilzberater gehen.“ Für interessierte Pilzsammler steht der berufstätige Eberhardt gerne am Wochenende für ein Beratungsgespräch zur Verfügung. „Zudem versuche ich, meinen Urlaub immer so zu legen, dass ich zum Beginn der Saison für die Ratsuchenden auch montags bis freitags da bin“, verrät der Pilzberater aus Mittweida. Eine ausführliche Kontaktliste aller Pilzberater der Region hat das Landratsamt Mittelsachsen auf seiner Website bereitgestellt.

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