„Die Zukunft liegt nicht nur in Dresden oder Leipzig“

Portrait1
Ich bin Prof. Dr. Stephan Beetz
Alter: 49 Jahre
Beruf: Studiendekan Master Fakultät Soziale Arbeit
Hobbys: Alte Häuser, Lesen, Unterwegs sein

 

„Die Zukunft liegt nicht nur in Dresden oder Leipzig“
„Die Zukunft liegt nicht nur in Dresden oder Leipzig“
„Die Zukunft liegt nicht nur in Dresden oder Leipzig“
„Die Zukunft liegt nicht nur in Dresden oder Leipzig“

Wie der Hochschulprofessor seine Studierende zum Engagement für die Stadt auffordert

Prof. Dr. Stephan Beetz sitzt an seinem geordneten Schreibtisch im Zentrum für Medien und Soziale Arbeit. Er tippt etwas auf seiner Tastatur und kontrolliert die Eingabe auf dem Bildschirm. Neben ihm liegen ein paar Dokumente. In einer gelben Kaffeetasse dampft der Kaffee. In den Regalen an der Wand stapeln sich die Bücher. Beetz liebt sein neues Büro. Seit zweieinhalb Jahren ist er schon in Mittweida. „Ich hatte nie ein Problem in der Stadt anzukommen“, erinnert sich der engagierte Professor.

Stephan ist glücklich über seine Arbeit an der Hochschule. Bereits 2009 begann er als Professor an der Fakultät Soziale Arbeit – damals noch in der ehemaligen Außenstelle der Hochschule in Roßwein. Als Studiendekan ist er für die Masterstudiengänge an der Fakultät Soziale Arbeit verantwortlich. In seinen Vorlesungen unterrichtet der warmherzige Professor die Studierenden in Themengebieten wie „Methoden der empirischen Sozialforschung“ oder „Sozialer Wandel in Dörfern und Gesellschaften“. Bei seinen Seminaren achtet Stephan immer auf einen Praxisbezug. „Wenn die Studierenden eigene Projekte machen, dann hat das Studium für sie eine ganz andere Bedeutung. Sie lernen dabei auch viel mehr“, erklärt der erfahrene Hochschullehrer.

Was am Ende zählt, ist die Lebensqualität
Der im thüringischen Rudolstadt geborene Stephan studierte ab 1988 in Potsdam Sozialarbeit und Sozialpädagogik. Er weiß, wovon er spricht. Schließlich führte der studierte Soziologe bereits viele eigene Sozialstudien und andere wissenschaftliche Projekte durch. Für seine Bücher, wie zum Beispiel „Dörfer in Bewegung“, reiste Stephan oft mehrere Monate durch Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern, um den strukturellen und sozialen Wandel der Dörfer in der Region zu analysieren. Zentral für diese Arbeit war auch die Frage, warum sich Menschen für einen Ort zum leben entscheiden.

Ob Mittweida schon immer die Heimat war und deshalb eine emotionale Bindung zu Stadt besteht, oder die Wohnortwahl aus pragmatischen Gründen wie Arbeit oder Studium gefallen ist – jeder Einwohner der Stadt hat willentlich beschlossen hier zu wohnen. „Wer in Mittweida lebt, lebt hier nicht ohne Grund – er hat sich bewusst dafür entschieden“, erklärt der versierte Sozialforscher Stephan und ergänzt: „Es gibt Leute, die haben eine ausgeprägte Provinzangst. Sie halten es in kleinen Orten nicht aus. Doch Mittweida hat das Potential am Schluss das zu sein, was jeder für sich draus macht.“

Wichtig für Städte ist immer die nötige Lebensqualität für die Bürger zu schaffen. Nur so bleibt eine Stadt dauerhaft attraktiv für alt eingesessene und neue Einwohner. „In den letzten Jahren wurde viel zu viel auf die Ökonomie geachtet. Jedes Dorf hat mittlerweile ein Gewerbegebiet. Diese bringen aber gar nichts, wenn es an Kitas oder ärztlicher Versorgung fehlt“, mahnt der Wissenschaftler Stephan.

Neue Begegnungen für frische Ideen
Um zu erfahren, was eine Stadt wirklich braucht, müssen die Bürger ins Gespräch kommen. Das ist in Mittweida allerdings noch nicht der Fall. „Ich finde das etwas schade. In Mittweida kennt man sich untereinander. Dadurch bilden sich aber auch feste Gruppen, in denen man sich immer bewegt. Ich finde es schön, immer mal wieder mit anderen Menschen zusammen zu kommen. Daher würde ich mich freuen, wenn sich auch die Bürger von Mittweida immer wieder neu finden würden“, wünscht sich der begeisterte Dozent.

Studentische Geschäfte auf der Rochlitzer Straße
In ein solches neues Zusammenleben müssen sich auch die Studierenden einbringen. „Engagierte Studierende könnten in der Stadt eigene Geschäfte aufmachen. Platz dafür wäre genug und so könnten Läden entstehen, die auch wirklich von jungen Menschen genutzt würden. Damit beleben wir sicher die Innenstadt“, schlägt der Hochschuldozent Stephan vor. Er ist überzeugt: „Man kann so viel machen. Man muss damit einfach nur anfangen. Andere Menschen schließlich sich dann von alleine an.“

Um Mittweida für die Zukunft optimal vorzubereiten, braucht es immer wieder einen frischen Wind in der Stadt. „Wir brauchen neue, junge Leute zum Beispiel auch in der Stadtverwaltung, in den Schulen und anderswo, die neue Ideen haben und neue kreative Projekte machen“, meint Stephan. Auch eine kleine Stadt kann für junge Leute interessant sein, so ist sich Stephan sicher: „Die Zukunft liegt nicht nur in Dresden oder Leipzig. Mittweida muss nicht unbedingt verschlafen sein. In der Stadt liegt sehr viel Potential“.

Alte Häuser für moderne Begegnungen
Um selber mit den Bürgern ins Gespräch zu kommen, lud Stephan am Tag des Offenen Denkmals im Jahr 2014 in sein Haus die Villa Magdalena auf der Johann-Sebastian-Bach-Straße ein. Der Hochschulprofessor liebt alte Häuser. Bereits in seinem ehemaligen Wohnort Stolzenburg kaufte Stephan zusammen mit seiner Frau eine alte Schule. Mit viel Liebe bauten die beiden das alte Gebäude auf. So entstand Platz für eine Ausstellung und verschiedene Seminare sowie Vorlesungen. Heute dient die alte Schule in Vorpommern als Ferienhaus.

Auch die Villa Magdalena will Stephan zu einem besonderen Ort ausbauen „In dem Haus haben bereits früher Hochschullehrer und Bürger von Mittweida gewohnt. Daher könnte dieser Ort interessant für eine moderne Begegnung von Hochschule und Stadt werden“, erklärt Stephan seine Vision. Das kooperative Zusammenleben von Hochschule und Stadt wird nach Meinung des Hochschulprofessors in Zukunft immer wichtiger. „Die beiden Institutionen sollten unbedingt Kontakt aufnehmen und zusammenarbeiten. Die neue Begegnungsstätte 1865 könnte schon ein weiterer guter Schritt sein“, findet Stephan.

Werde selbst ein „Mittweidamacher“!
Du bist neugierig, hast Deine eigene Meinung zur Zukunft der Stadt und keine Angst davor, Deine Ideen mit anderen zu teilen? Dann schreibe uns eine E-Mail an macher@zukunftsstadt-mittweida.de mit Deinem Namen, Beruf und ein paar aussagekräftigen Worten, wie Du Dir Mittweida 2030 vorstellst. Wir freuen uns darauf, Dich kennenzulernen!

Teile diesen Beitrag

Für eine uneingeschränkte Nutzung unserer Website werden Cookies benötigt. Bitte stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu, um alle Funktionen der Website nutzen zu können. Weitere Informationen

Cookies sind kleine Dateien, die es ermöglichen, auf dem Zugriffsgerät der Nutzer (PC, Smartphone o.ä.) spezifische, auf das Gerät bezogene Informationen zu speichern. Sie dienen zum einem der Benutzerfreundlichkeit von Webseiten und damit den Nutzern (z.B. Speicherung von Logindaten). Zum anderen dienen sie, um die statistische Daten der Webseitennutzung zu erfassen und sie zwecks Verbesserung des Angebotes analysieren zu können. Die Nutzer können auf den Einsatz der Cookies Einfluss nehmen. Die meisten Browser verfügen eine Option mit der das Speichern von Cookies eingeschränkt oder komplett verhindert wird. Allerdings wird darauf hingewiesen, dass die Nutzung und insbesondere der Nutzungskomfort ohne Cookies eingeschränkt werden. Mit dem Aufenthalt auf dieser Website akzeptieren Sie die Verwendung von Cookies.

Schließen