„Es gibt Zeiten, da könnte man fünf Säle brauchen“


Ich bin Ronny Leibelt
Alter: 53 Jahre
Beruf: Eigentümer und Betreiber der Filmbühne
Hobbys: Geschichte und Science-Fiction

„Es gibt Zeiten, da könnte man fünf Säle brauchen“
„Es gibt Zeiten, da könnte man fünf Säle brauchen“
„Es gibt Zeiten, da könnte man fünf Säle brauchen“
„Es gibt Zeiten, da könnte man fünf Säle brauchen“

Filmbühnen-Chef Ronny Leibelt bringt die ganz Großen nach Mittweida

Eine Weile reisten Ronny Leibelt und seine Frau durch Deutschland. Sie schauten sich große Kinos und kleine Lichtspielhäuser, in Nord und Süd, in Ost und West, in den alten Bundesländer an. Der ehemalige Cinemaxx-Mitarbeiter und frühere Kulturmanager fand schließlich ein Angebot, das ihn überzeugte: Eines von nur drei Kinos in Mittelsachsen, mit denkmalgeschützter Fassade, drei Kinosälen, mit vielen Familien in der Stadt und interessierten Studenten. Der gebürtige Erzgebirgler entschied sich für Mittweida und kaufte 2010 das traditionsreiche Haus der Filmbühne – und mit ihm unzufriedene Kunden und einen angehäuften Investitionsstau.

Als kurz darauf noch der große Saal, das Kino 1, aufgrund einer Bauauflage gesperrt wurde, kam aufzugeben für Ronny trotzdem nicht in Frage. „Wir mussten in die Digitalisierung der Säle investieren, ein neues Rauchabzugssystem installieren – und durch die Sperre sind uns viele Kunden verlorengegangen. Das bedeutete, dass uns Umsatz fehlte. Man brauchte schon einen langen Atem, aber wir haben es geschafft“, erklärt der 53-Jährige. Dinge unkompliziert ins Rollen gebracht hat damals der Erste Beigeordnete der Stadt und heutige Oberbürgermeister Ralf Schreiber, er konnte das Problem auf Amtswegen klären. „So stelle ich mir die Aufgabe von Politik vor: Die Rahmenbedingung schaffen, damit Gewerbetreibende ihrer Tätigkeit nachgehen kann“, erklärt Ronny zufrieden. Im Jahr 2015 machte die Filmbühne dann ein ordentliches Umsatzplus – mehr als doppelt so viel wie der Branchenschnitt. Große Streifen wie „Star Wars“, „Tribute von Panem“ oder „Honig im Kopf“ haben das vergangene Jahr zu einem guten Kinojahr gemacht. „Wir können nur zufrieden sein und alles sieht danach aus, als ob 2016 auch wieder ein paar echte Blockbuster in die Säle kommen“, sagt der leidenschaftliche Filmfan.

Als Ronny und seine Frau die Filmbühne, das früher „Theaterhaus Lichtspiele“ hieß, vor 6 Jahren übernahmen, war der Erfolg keineswegs abzusehen. Vor der Wende war das Haus laut Kinobetreiber Ronny eines der renommiertesten in Sachsen. Nach der Wende schloss das zweite Kino nahe des Europäischen Hofs in Mittweida und das einzige verbliebene Haus in der Stadt übernahm den Namen des vorherigen Konkurrenten. Trotz der Langen Kinotradition in der Stadt, hat Ronny noch heute das Gefühl, es gäbe zum ersten Mal in Mittweida ein Filmhaus. Die früher stark vergünstigten Preise, die einen nachhaltigen Betrieb von Haus und Kino kaum möglich machten, haben ein verzerrtes Bild hinterlassen. „Heute sind die Leute verunsichert, fragen nach weiteren Vergünstigungen“, erklärt Ronny. Mit 7,50 Euro ist er jedoch immer noch günstiger als die größeren Häuser in der Umgebung, Rabatte für Studenten und Kinder kommen noch dazu sowie der „Kino-Dienstag“, bei dem alle Gäste günstiger gucken können. Bis heute kämpft Ronny gegen das Billig-Image der Filmbühne, das seine Vorgänger geprägt haben. Und die Gäste kommen, mal mehr, mal weniger: „Es gibt Wochen, da bräuchte man fünf Säle. Aber es gibt auch Phasen, da bräuchten wir eigentlich nur einen. Als Kino ist man sehr abhängig vom Angebot der Filmverleiher: Welche Filme starten? Aber auch: Welche Bedingungen hat der Verleiher? Als Kino mit drei Sälen können wir die Räume nicht für Wochen für nur einen Film belegen.“ Trotzdem hat er das Gefühl, dass Mittweida ein Kino will und es auch immer stärker wieder annimmt – Bürger sowie Verwaltung und Politik.

War es trotz der Widrigkeiten also sein Wunsch, den er sich von klein auf erfüllen wollte: Ein eigenes Kino zu besitzen? „Nein“, sagt der Unternehmer mit einem Lächeln, „das ist eher mit der Zeit gewachsen. Ich habe schon verschiedene Kulturhäuser geleitet, auch ein Kino. Ich habe für eine große Kinokette gearbeitet. Und irgendwann habe ich mir gedacht, die Fehler, die meine Chefs gemacht haben, die kann ich auch selbst machen.“ Aber er merkt auch an: „Ohne meine Frau, die sich um die Büroangelegenheiten kümmert, und unsere Mitarbeiter, würde das nicht funktionieren. Die Filmbühne ist nicht meine Leistung, sondern die eines tollen Teams.“

Mehr Kultur für Mittweida

Wenn Ronny zu seinem zweiten Kino schaut, dem Gloria Filmpalast in Annaberg-Buchholz, sieht er noch einiges, was ihm in Mittweida fehlt. Die enge Verbindung dort zum Eduard-von-Winterstein-Theater, der belebte Markt, die nahe Stadtbibliothek – einiges davon hat zwar auch Mittweida, aber es fehle an Zusammenarbeit, manchmal auch an einem „fairen Miteinander“. „Ich würde mir zum Beispiel wünschen, dass mehr gemeinsame Veranstaltungen von Stadt und Hochschule stattfinden“, erklärt Ronny. Er selbst möchte seine Filmbühne auch verstärkt wieder für Theatergruppen und andere kulturelle Initiativen attraktiv machen. In der spielfreien Zeit könnte die Bühne des großen Saals für Inszenierungen oder Kabarett genutzt werden. Wichtig ist dem Macher vor allem, dass Entscheidungen nicht von oben stattfinden, sondern sich die Bürger einer Stadt auch bewusst für Kultur entscheiden müssen: „Das ist nicht die Aufgabe der Stadtverwaltung. Die Mittweidaer müssen selbst wissen, ob es ein Kino geben soll, dass sich auch finanzieren kann und ob sie ein Kulturhaus beleben können.“ Für ihn steht fest, dass alle gemeinsam daran arbeiten müssen, wie die Zukunft Mittweidas aussieht. Aber er betont auch: „Mittweida hat Möglichkeiten.“

Als wir bei unserem Gespräch Mitte Januar mit Ronny vor die Tür treten, zündet er sich eine Zigarette an und freut sich mit uns auf den kommenden Tarantino-Film. Dann beginnt es wieder zu schneien. Der lebenslustige und humorvolle Mann sieht zum Himmel auf und denkt ans Schneeschippen. „Heute Morgen habe ich das schon einmal gemacht. Wenn Du einmal um das Haus herum bist, sagst Du nicht mehr, es sei ein kleines Kino!“ Dabei lacht er, schmeißt seine Zigarette weg und packt an.

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