„Da oben sind nur Menschen, keine Nationen“


Ich bin Tasillo Römisch
Alter: 62 Jahre
Beruf: Dozent für Raumfahrtgeschichte
Hobbys: Raumfahrtgeschichte und Fotografie

„Da oben sind nur Menschen, keine Nationen“
„Da oben sind nur Menschen, keine Nationen“
„Da oben sind nur Menschen, keine Nationen“
„Da oben sind nur Menschen, keine Nationen“
„Da oben sind nur Menschen, keine Nationen“

Tasillo Römisch steht in seinem blauen Bordanzug und bequemen Pantoffeln vor einer Vitrine mit mehreren Raketenminiaturen. Mit Stolz zeigt er auf ein Modell und erklärt einer Gruppe Besuchern, was sie sehen: „Und dies ist ein Modell der Saturn 5 Rakete, die zum Mond geflogen ist.“ Seit 1992 gibt es nun schon das Raumfahrtmuseum in Mittweida, indem Tasillo Römisch zunächst Führungen und seit einiger Zeit auf Anfrage eine „Kosmonautenausbildung“ mit Abschlussdiplom anbietet. „Eigentlich dauert die Ausbildung sechs bis sieben Jahre, soviel Zeit haben wir natürlich nicht. Deshalb gibt es bei mir einen Crashkurs, der etwas schneller geht“, scherzt der raumfahrtbegeisterte Mittweidaer.

Seine Liebe zur Raumfahrt entdeckte Tasillo Römisch 1969 mit der Mondlandung. Er erinnert sich noch gut daran: „Wie jeder Junge wollte ich damals natürlich Kosmonaut werden. Doch das war in der DDR nicht einfach. Ich habe mich bei der URANIA, der Gesellschaft zur Verbreitung wissenschaftlicher Kenntnisse, gemeldet, aber nie eine Antwort bekommen“.

Vom Kosmonauten zum Wirtschaftslehrer
Anstelle für einen Flug ins All zu trainieren, begann der in Schkeuditz geborene Tasillo Römisch ein Wirtschaftsstudium an der Karl-Marx-Universität in Leipzig. Doch mit der Raumfahrt beschäftigte sich der junge Student weiter. „Ich habe viele Vorträge gehalten und durfte auch einmal in den Westen reisen, um dort die Raumfahrttraditionen der DDR zu präsentieren“, erinnert sich der Historiker. Seine Informationen über die Raumfahrt erhielt der junge Experte allerdings vor allem aus dem Ausland. „Im Westen waren sie etwas freier mit ihren Informationen zur Raumfahrt als im Osten. Damals gab es in der Deutschen Bücherei in Leipzig noch das sogenannte „Giftzimmer“, in dem Westliteratur gelesen werden konnte. Ich hatte Zugang zu diesem Raum und bekam so mehr Informationen zu meinem Thema aus dem Westen als aus dem Osten“, verrät der Raumfahrtexperte. Neben seinen Vorträgen sammelte der ambitionierte Hobbykosmonaut zuerst Briefmarken, Zeitungsartikel, Dias und Fotos, später auch originale Objekte der Raumfahrt. Bis heute haben sich so 97.000 unterschiedliche Exemplare angesammelt. Tasillo Römisch steht mit seiner Sammlung mehrfach im Guinness-Buch der Rekorde.

Das Hobby wird zum Beruf
Als 1977 seine damalige Frau nach Mittweida an die Hochschule versetzt wurde, ging Tasillo Römisch mit. „Eigentlich sollte ich in Freital an einer Schule unterrichten. Der Rektor der Hochschule hier meinte aber, ich könnte auch in Mittweida bleiben und so habe ich, bis ich Anfang der 80er in die Wirtschaft gegangen bin, an der Hochschule Mittweida Wirtschaftswissenschaften unterrichtet“, erklärt der ehemalige Hochschullehrer.

Mit der Wende wurden schließlich viele Firmen abgewickelt, auch die, in der Tasillo Römisch arbeitete. „Ich wurde arbeitslos. Doch meine Bekannten, die ich durch meine zahlreichen Vorträge kennengelernt hatte, schlugen mir vor, mit meinen ganzen Sammlungsstücken ein Museum zu eröffnen. Sie haben mich auf die richtige Bahn gebracht“, bedankt sich der begeisterte Sammler. Mit seinem umfassenden Wissen und der ungebrochenen Leidenschaft etablierte sich Tasillo Römisch in den folgenden Jahren immer mehr in der Branche. Er vernetzte sich und bekam einmalige Einblicke in die Raumfahrt. Neben seinem Museum vermittelt der weltraumbegeisterte Geschäftsmann heute mit seiner weltweit einzigen privaten Astronautenagentur Raumfahrer für Vorträge, besorgt auf Anfrage historisches Bildmaterial zur Weltraumfahrt aus seinem Archiv und ist anerkannter Experte im Bereich Space Memorabilien für das online Auktionshaus auctionata.com. Will ein potentieller Einlieferer den Wert eines Objektes aus der Raumfahrt geschätzt haben, so wird Tasillo Römisch zur Begutachtung und Bewertung angefragt. „Es ist schon etwas komisch. Wenn ich sage, ein Objekt ist zum Beispiel 300 Euro wert, dann ist es auch so viel wert“, ist der Experte ein wenig verwundert.

Doch in den letzten Jahren ist die Arbeit für Tasillo Römisch immer schwerer geworden und das obwohl er mittlerweile Raumanzüge in ganz Europa verleiht. „Das Interesse für die Raumfahrt geht immer mehr zurück“, beklagt der Hobbykosmonaut und ergänzt: „Es passiert einfach nichts mehr, außer wenn es wieder mal ein Unglück gibt. Kaum einer weiß, dass derzeit überhaupt noch Menschen im Weltraum sind.“ Für die Zukunft der Sammlung und des Museums heißt das, dass Tasillo Römisch irgendwann verkaufen muss. „Ich hoffe nur, dass die Sachen, die Mittweida betreffen, auch in Mittweida bleiben dürfen“, wünscht sich der Sammler.

Mittweida hat eine echte Raumfahrttradition
Aus der Geschichte der Raumfahrt weiß Tasillo Römisch einiges zu erzählen. Auch, dass einige bekannte, geschichtsprägende Raketeningenieure in Mittweida studiert haben. „Wir sollten viel stolzer sein auf die Absolventen, die aus Mittweida kommen. Sie tragen den Namen der Stadt in die ganze Welt“, regt der Raumfahrthistoriker an. Aber auch Tasillo Römisch selbst ist international präsent: „Wenn ich eine Ausstellung im In- oder Ausland habe, steht auch immer da, woher ich komme. So haben bereits 20 Millionen Menschen in 11 Ländern Mittweida kennengelernt“, schätzt der Kurator. „In den letzten Jahren wurde ich hier ziemlich gut unterstützt. Ich möchte meiner Stadt auch etwas zurückgeben“, bedankt sich Tasillo Römisch.

Auf seinen zahlreichen Reisen in verschiedene Länder hat Tasillo Römisch auch oft mit Kosmonauten über ihre Erfahrungen im All gesprochen. „Wer einmal im Weltraum war, kann nicht mehr verstehen, dass sich die Menschen so bekämpfen müssen. Im All siehst du nur Kontinente und keine Grenzen. Das ist der bekannte Overview-Effekt“, kritisiert Tasillo Römisch und ergänzt mit einem Fingerzeig zur Zimmerdecke: „Internationale Zusammenarbeit funktioniert da oben ja auch. Warum dann nicht hier unten? Da oben sind nur Menschen, keine Nationen.“

Der Impuls muss von den Bürgern kommen
Als Anwohner der Rochlitzer Straße wünscht sich Tasillo Römisch für die Zukunft von Mittweida die Belebung der ehemaligen Einkaufsstraße. Doch er ist sich auch den Schwierigkeiten bewusst. „Du kannst die Leute schlecht in ein Geschäft stellen und sie dazu drängen, es zu führen. Das muss jeder schon alleine wollen“, erkennt der Hobbykosmonaut. Genau so pragmatisch sieht er die Förderung der Kultur in Mittweida. „Natürlich wäre es schön, wenn wir ein Kulturhaus hätten. Aber es würde uns nichts nützen, wenn die Einrichtung dann nicht besucht werden würde. Die Bürger müssen die Kultur daher auch wirklich wollen. Es braucht mehr Leute, die das unternehmerische Risiko tragen und etwas Eigenes organisieren“, fordert der Mittweidaer seine Mitbürger auf.

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